Hyperfokale Distanz – ist das zum Essen oder was Unanständiges? (mit Spickzettel)

Ein schrecklicher Begriff: »Hyperfokale Distanz«. Um die Frage der Überschrift zu beantworten, man kann es weder essen noch muss man sich dafür schämen. Es klingt nach höherer Mathematik und anderen Dingen, mit denen man sich vielleicht nicht unbedingt beschäftigen möchte. Für wen ist es überhaupt wichtig? Nun, für jeden, der scharfe Landschaftsaufnahmen machen will. Allen anderen können jetzt getrost aufhören zu lesen und sich interessanteren Beiträgen in diesem Blog widmen.

Der Landschaftsfotograf

Sie sind noch da? Sie wollen großartige Landschaftsfotos machen, die knackig scharf sind? Lesen Sie weiter. Im Gegensatz zu anderen Fotos, wo gerne mit Schärfe und Unschärfe gespielt wird, will man in der Landschaftsfotografie üblicherweise ein durchgängig scharfes Bild haben – vom Vordergrund bis zum Hintergrund. Natürlich kann es immer (künstlerische) Gründe geben, es anders zu machen, aber die will ich hier nicht behandeln. Eben so wenig will ich eine wissenschaftliche Abhandlung verfassen, sondern Sie lediglich mit dem Konzept vertraut machen und Ihnen für die praktische Arbeit einen Spickzettel in die Hand drücken. Die wissenschaftlichen Hintergründe und Formeln entnehmen Sie bitte dem entsprechenden ⇒Wikipedia-Beitrag.

Zeit für eine Definition:

Die »Hyperfokale Distanz«  ist die Entfernung zwischen Ihrer Kamera und einem Punkt in der Landschaft, bei dem alles hinter diesem Punkt bis ins Unendliche scharf ist und vor diesem Punkt ab der Hälfte der Entfernung zu ihm. Die Hyperfokale Distanz ist abhängig von der Brennweite des Objektivs und der gewählten Blende.

BildHyperfokaleDistanz

 

Praktische Anwendung

In dem folgenden Beispiel setze ich eine Vollformat-Kamera mit einem 35mm-Objektiv ein.

  • Zuerst setze ich meine Kamera auf das Stativ (Sie haben doch nicht wirklich gedacht, es ginge ohne, oder?).
  • Rund 15m entfernt befindet sich eine Gesteinsformation, auf die ich fokussiere.
  • Ich ziehe meinen Spickzettel zu Rate. Der Spickzettel empfiehlt Blende 2,8

SPZ6_Hyperfokale DistanzVollformat 15m

  • Ich stelle Blende 2,8 ein und erhalte ein Foto, dass von ca. 7m (h/2) bis Unendlich knackig scharf ist.

 

Ich höre schon die Frage »Und woher weiß ich, wie weit die Gesteinsformation entfernt ist?«. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Entfernung festzustellen. Da wäre zum Beispiel das Bauchgefühl, die schlechteste Möglichkeit. Für Bereiche bis 20m kommen relativ günstige Ultraschall-Entfernungsmesser (< 20 Euro) in Frage. Für darüber liegende Distanzen benötigen Sie ein Lasermessgerät, das in vernünftiger Qualität bei rund 50 Euro beginnt. Zuverlässiger sind Entfernungsmesser, wie sie beispielsweise beim Golfspiel eingesetzt werden. Damit lassen sich relativ genau Distanzen bis 800m bestimmen. Die entsprechenden Messgeräte, vor allem die besseren, sind nicht gerade billig. Hier werden schnell Preise über 200 Euro aufgerufen. Trotzdem kann sich für den ambitionierten Landschaftsfotografen diese Investition auf Dauer auszahlen.

Spickzettel

Der Formfaktor (Crop-Faktor) Ihrer Kamera spielt ebenfalls eine Rolle, weshalb Sie hier für Vollformat, Formfaktor 1,5 und Formfaktor 1,6 jeweils einen eigenen Spickzettel vorfinden. Sie benötigen natürlich nur den Spickzettel, der dem Formfaktor Ihrer Kamera entspricht.

Vollformat (Kleinbild)

SPZ6_Hyperfokale DistanzVollformat

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Formfaktor 1,5

SPZ7_Hyperfokale DistanzCrop15

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Formfaktor 1,6

SPZ8_Hyperfokale DistanzCrop16

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Weiterführende Links

Sollten Sie eine Brennweite haben, die nicht auf dem Spickzettel aufgeführt ist und die genauen Werte wissen wollen, werden Sie auf der Seite von »Cambridge in Colour«  fündig. Dort finden Sie einen ⇒Hyperfocal Distance Calculator, der Ihnen diese Werte berechnet. Der ⇒Hyperfocal Distance Chart Maker hat eine ähnliche Funktionalität.

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